{"id":1178,"date":"2017-02-18T14:49:42","date_gmt":"2017-02-18T13:49:42","guid":{"rendered":"http:\/\/g4rf.net\/?p=371"},"modified":"2023-07-02T09:26:13","modified_gmt":"2023-07-02T07:26:13","slug":"informatik-hat-nichts-mit-programmieren-zu-tun","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/jankosyk.de\/en\/informatik-hat-nichts-mit-programmieren-zu-tun\/","title":{"rendered":"Informatik hat nichts mit Programmieren zu tun"},"content":{"rendered":"<p>Letztens stolperte ich \u00fcber eine <a href=\"https:\/\/twitter.com\/anked\/status\/832188103725084672\">Tweet<\/a>, der dar\u00fcber berichtete, dass die Bundesagentur f\u00fcr Arbeit <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/bundesagentur-fuer-arbeit-stoppt-nach-pannenserie-millionenschweres-it-projekt-a-1134773.html\">60 Mio. EUR in einem IT Projekt versenkt hat<\/a>. Daraus folgte eine Diskussion, dass das Studium der Informatik in Deutschland unzul\u00e4nglich sei. Da es sich in 140 Zeichen nicht so sch\u00f6n argumentiern l\u00e4sst, m\u00f6chte ich meine grunds\u00e4tzlichen Gedanken hier noch einmal wiedergeben und auf die gefallenen Argumente eingehen.<\/p>\n<blockquote><p>Da sage noch mal einer, Kommunikation sei bei <span class=\"link-complex-target\">Informatik<\/span> weniger wichtig als das Programmieren.<\/p><\/blockquote>\n<p>Das die Kommunikation in der Informatik ausgebaut werden kann, ist unstrittig. Viel zu sehr liegt der Fokus auf natur- und ingenieurswissenschaftlichen Themen, mehr geisteswissenschaftlicher Einfluss t\u00e4te der Informatik gut. Jedoch geht es im Studium nicht ums Programmieren, es gibt in keinem mir bekannten Informatikstudium an einer Universit\u00e4t die Vorlesung \u201eProgrammierung\u201c. Wohl werden meist fakultative Praktika dazu angeboten und es gibt F\u00e4cher zur Softwareentwicklung. Diese sind aber theoretisch und behandeln nicht das Erlernen einer Programmiersprache.<\/p>\n<blockquote><p>Die Kernkompetenz, Fachanforderungen richtig zu verstehen, wird kaum gelehrt.<\/p><\/blockquote>\n<p>Das Verst\u00e4ndnis fremder Fachrichtungen wird tats\u00e4chlich in der Informatik nicht gelehrt \u2013 einfach weil es den Rahmen sprengen w\u00fcrde, da Nebenf\u00e4cher in Jura, Medizin, Verwaltung, Wirtschaft etc. pp. notwendig w\u00e4ren. Deshalb gibt es auch so sch\u00f6ne F\u00e4cher wie Wirtschaftsinformatik \u2013 meist an Fachhochschulen angeboten \u2013 die die Br\u00fccke zwischen Wirtschaft und Informatik schlagen sollen.<\/p>\n<p>Allerdings l\u00e4sst sich der Vorwurf, Fachanforderungen nicht zu verstehen, auf die meisten Studieng\u00e4nge anwenden. Es gibt Menschen, die fordern Informatik in jedes natur- und ingenieurswissenschaftliche Studium aufzunehmen.<\/p>\n<blockquote><p>Eine Uni sollte keine Absolventen hervorbringen, die am Bedarf vorbeigehen, immerhin bleiben die wenigsten in der Wissenschaft.<\/p><\/blockquote>\n<p>Als ich das las, zog es sich in mir zusammen. Als <a href=\"http:\/\/pot81.de\/\">alter H\u00f6rsaalbesetzer<\/a> und Protestierer gegen die Bolognareform haben Worte wie \u201eBedarf\u201c und \u201eUniversit\u00e4t\u201c einen sehr faden Beigeschmack. Ich verstehe, dass es Fachkr\u00e4fte braucht, allerdings sollten diese nicht unter Bedarfszwang an Universit\u00e4ten ausgebildet werden. Die deutsche Bildungslandschaft bietet seit Jahrzehnten eine Vielzahl Ausbildungsm\u00f6glichkeiten: Fachhochschulen, Berufsakademien, duales Studium und Berufsausbildungen. Alle diese Bildungswege sind praxisorientiert und bringen gute Entwicklerinnen und Entwickler hervor. Der Universit\u00e4t sollte ein wissenschaftlicher Anspruch bleiben auch mal ins Blaue hinein zu bilden, nicht zuletzt weil es das <a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/gg\/art_5.html\">Grundgesetz in Artikel 5, Absatz 3<\/a> so will.<\/p>\n<blockquote><p>Man stelle sich vor, ein Medizinstudium an einer Uni bef\u00e4hige nicht zum Behandeln von Menschen, weil es daf\u00fcr nicht gedacht ist.<\/p><\/blockquote>\n<p>Bei diesem Argument musste ich l\u00e4nger \u00fcberlegen, bis es mir auffiel: Hier werden \u00c4pfel mit Birnen verglichen. Es ist richtig, dass ein Medizinstudium dazu bef\u00e4higen muss, Menschen zu behandeln. Hier ist es aber auch genau das Ziel des Studiums und es gibt keine Alternativen an FHs, BAs oder gar als Ausbildung. Deshalb l\u00e4sst sich das Informatikstudium eher mit einem Biologiestudium vergleichen. Eine Biologin wei\u00df auch wie der menschliche K\u00f6rper funktioniert \u2013 eine Herz-OP w\u00fcrde ich von ihr dennoch nicht durchf\u00fchren lassen. Genausogut wei\u00df eine Informatikerin, wie Anwendungen aufgebaut sind und entwickelt werden \u2013 theoretisch.<\/p>\n<blockquote><p>IT-ler sollen funktionierende Anwendungen entwickeln k\u00f6nnen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Tja, ITler sind selten fertig ausgebildete Informatikerinnen und Informatiker. F\u00fcr Software-Projekte, die danach funktionieren sollen, sind Uniabsolventinnen und -absolventen nicht die beste Wahl. Schauen wir uns die Softwareentwicklung in der Praxis an, stellen wir fest, dass es generell keine gute Idee ist, unerfahrene Programmiererinnen und Programmierer damit zu betrauen. Erfahrung in der Softwareentwicklung ist ein unsch\u00e4tzbares Gut und entscheidet \u00fcber Erfolg und Misserfolg. Und mit der Erfahrung kommt auch die interdisplin\u00e4re und Fachkommunikation.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Letztens stolperte ich &uuml;ber eine Tweet, der dar&uuml;ber berichtete, dass die Bundesagentur f&uuml;r Arbeit 60 Mio. EUR in einem IT Projekt versenkt hat. Daraus folgte eine Diskussion, dass das Studium der Informatik in Deutschland unzul&auml;nglich sei. Da es sich in 140 Zeichen nicht so sch&ouml;n argumentiern l&auml;sst, m&ouml;chte ich meine grunds&auml;tzlichen Gedanken hier noch einmal wiedergeben und auf die gefallenen Argumente eingehen. Da sage noch mal einer, Kommunikation sei bei Informatik weniger wichtig als das Programmieren. 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