{"id":780,"date":"2019-01-23T11:52:44","date_gmt":"2019-01-23T10:52:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kultur-sucht-raum.de\/?p=993"},"modified":"2023-07-02T08:34:25","modified_gmt":"2023-07-02T06:34:25","slug":"pm-strassenkunst-stur-statt-kultur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/jankosyk.de\/en\/pm-strassenkunst-stur-statt-kultur\/","title":{"rendered":"Stra\u00dfenkunst \u2013 Stur statt Kultur"},"content":{"rendered":"\n<p>Es ist wieder einmal so weit, eine neue Versch\u00e4rfung der Stra\u00dfenkunstregulierung in der werdenden \u201eKulturhauptstadt\u201c Dresden steht zur baldigen Abstimmung. In Konsequenz einer eingebrachten Petition gegen die Bel\u00e4stigung durch Stra\u00dfenkunst hat sich die Stadt, vertreten durch den Dresdner Oberb\u00fcrgermeister Dirk Hilbert, vergangenen Herbst entschieden eine weitere Novelle f\u00fcr die Stra\u00dfenkunst durchzusetzen. Hierbei wurden auch diesmal die K\u00fcnstler von offizieller Seite in keinster Weise eingebunden oder auch nur informiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei beginnt das Begr\u00fcndungsschreiben Herrn Hilberts durchaus positiv:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eDie neue Regelung zur Aus\u00fcbung von Stra\u00dfenkunst und akustisch <\/em><em>wahrnehmbarer Stra\u00dfenkunst hat sich bew\u00e4hrt. Sie f\u00fchrte zu einem <\/em><em>R\u00fcckgang der Beschwerdelage. Die B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger erkennen<\/em> <em>grunds\u00e4tzlich die Neuregelung an und haben mehr Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die <\/em><em>Aus\u00fcbung von Stra\u00dfenmusik und akustisch wahrnehmbarer Stra\u00dfenkunst.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Tats\u00e4chlich ist die Stra\u00dfenkunst insgesamt stark zur\u00fcck gegangen, da die eingesetzten Regelungen derart stark einschr\u00e4nken, dass viele K\u00fcnstler gar nicht mehr oder nur selten in die Stadt kommen. Nicht abzustreiten ist auch, dass sich andere K\u00fcnstler mit der momentanen Gesetzeslage gut arrangiert haben und die Fehler im Buchungssystem sowie die weiterhin mangelhafte Kontrolle auszunutzen wissen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eEs ist jedoch zu verzeichnen dass Beschwerden wegen der mit der [\u2026] <\/em><em>Stra\u00dfenkunst verbundenen Lautst\u00e4rke kaum zur\u00fcckgegangen sind und in <\/em><em>letzter Zeit wieder ansteigen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Soll hei\u00dfen: Den Beschwerdef\u00fchrern, denen es vorher zu viel war, ist es immer noch zu viel, trotz aller Versch\u00e4rfungen der letzten Jahre. Und da der Sommer 2018 auch noch besonders warm und lang war, gab es wohl auch mehr Beschwerden in dieser Hauptsaison.<\/p>\n\n\n\n<p>Als tats\u00e4chlichen Durchbruch f\u00fcr die Gegner der Stra\u00dfenkunst ist jedoch die Entscheidung zu sehen, zuk\u00fcnftig jegliche elektronische Verst\u00e4rkertechnik zu verbieten. Wie in der Vergangenheit wird hierbei vor allem die \u00fcberm\u00e4\u00dfige Lautst\u00e4rke einiger K\u00fcnstler und das akustische \u00dcberlappen von Darbietungen als Argument angef\u00fchrt. Diese \u00c4nderung war schon vor 5 Jahren Ziel vieler Bef\u00fcrworter einer starken Einschr\u00e4nkung der Freiheit der Stra\u00dfenk\u00fcnstler. Hierbei wird Bel\u00e4stigung gleichgesetzt mit Lautst\u00e4rke und diese mit elektronischen Verst\u00e4rkern.<\/p>\n\n\n\n<p>Tats\u00e4chlich jedoch hat unsere Initiative schon damals an Hand der Beschwerdestatistik zeigen k\u00f6nnen, dass die gef\u00fchlte Bel\u00e4stigung in gro\u00dfen Teilen durch K\u00fcnstler verursacht wird die keine oder nur geringe elektronische Verst\u00e4rkung nutzen \u2013 wie bspw. Operns\u00e4nger, gr\u00f6\u00dfere Musikergruppen oder auch schlicht K\u00fcnstler die an den oben bereits genannten akustisch vorteilhaften Standorten spielen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiteres Kernargument gegen das Lautsprecherverbot war und ist auch die Notwendigkeit derselben f\u00fcr Performancek\u00fcnstler. Von Tanz- \u00fcber Licht- zu Feuer- und Zirkusshows. Jegliche Kunst, die musikalische Untermalung nutzt ohne sie selbst herstellen zu k\u00f6nnen. Sie ist mit einem Verbot von Verst\u00e4rkern g\u00e4nzlich von Dresdens Stra\u00dfen verbannt.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Konsequenz wurde das Lautsprecherverbot verworfen und bis zur aktuellen Debatte seitens der Stadt auch nicht mehr aufgenommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es bleibt festzuhalten dass die Stadt alle bisherigen Gesetzes\u00e4nderungen mit der Begr\u00fcndung der L\u00e4rmbel\u00e4stigung gerechtfertigt hat. Alle Ma\u00dfnahmen zielten darauf ab, in dieser Richtung eine Verbesserung der Beschwerdelage herbeizuf\u00fchren. Dass Herr Hilbert von einem Erfolg der Regelung spricht um im n\u00e4chsten Absatz darauf zu verweisen dass der Grund f\u00fcr die Gesetzesversch\u00e4rfung unver\u00e4ndert weiterbesteht, kann man nur als Eingest\u00e4ndnis des Scheiterns verstehen. Und anstatt nun endlich einen neuen Ansatz zu suchen, in Kooperation mit allen Beteiligten, doktert man an einer fehlgeschlagenen Idee herum. Auf Kosten der Kunstfreiheit und der kulturellen Vielfalt im \u00f6ffentlichen Raum Dresdens.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dresden, 23.01.2019 Es ist wieder einmal so weit, eine neue Versch&auml;rfung der Stra&szlig;enkunstregulierung in der werdenden &bdquo;Kulturhauptstadt&ldquo; Dresden steht zur baldigen Abstimmung. 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